Am 6. April 2025 erinnert der Initiativkreis „Gedenken. Erinnern. Mahnen“ an Jorge João Gomondai. Vor 34 Jahren wurde der mosambikanische Vertragsarbeiter in Dresden von Neonazis überfallen. Eine Woche später starb er an den Folgen der Attacke. Der genaue Tathergang ist bis heute ungeklärt.

Zum Gedenken finden mehrere Veranstaltungen statt. Um 12.30 Uhr beginnt an der Florian-Geyer-Straße 48 eine geführte Radtour. Sie führt zu Orten, die mit dem Leben von Jorge Gomondai in Verbindung stehen. Ziel ist der Jorge-Gomondai-Platz.
Dort beginnt um 15 Uhr eine Gedenkkundgebung mit Redebeiträgen. Teilnehmende legen Blumen nieder, um an den Ermordeten zu erinnern. Bereits ab 13 Uhr ist auf dem Jorge-Gomondai-Platz die Ausstellung „Rechte Gewalt“ zu sehen. Sie dokumentiert rechte Angriffe in Sachsen, zeigt zugrunde liegende Einstellungsmuster und thematisiert den gesellschaftlichen Umgang mit rassistischer Gewalt. Die Ausstellung endet um 16 Uhr.
Christian Schäfer-Hock vom Ausländerrat Dresden e. V. weist darauf hin, dass Rassismus weiterhin zum Alltag gehöre. Viele Betroffene meldeten Übergriffe nicht. Die Polizei könne deren Erfahrungen daher oft nicht erfassen. Schäfer-Hock fordert mehr Aufmerksamkeit und entschlossenes Handeln gegen Rassismus in der Gesellschaft. Die Veranstaltungen werden vom Initiativkreis organisiert. Beteiligt sind mehrere Dresdner Gruppen, unter anderem der Ausländerrat Dresden e. V.
Zum Gedenken an Jorge João Gomondai
Am 6. April 1991 starb Jorge João Gomondai im Alter von 28 Jahren an den Folgen eines rassistischen Übergriffs in der Nähe des Albertplatzes. Er kam 1981 als Vertragsarbeiter in die DDR.
Jorge Gomondai wurde 1962 in Chimoio, Mosambik, geboren und kam 1981 im Alter von 18 Jahren als Vertragsarbeiter in die DDR. Er lebte in einer Wohnung in der Holbeinstraße im Dresdner Stadtteil Johannstadt und war im Schlachthof Dresden beschäftigt.
In der Nacht zum Ostersonntag 1991 stieg Gomondai in der Dresdner Neustadt gegen 4 Uhr morgens in den letzten Wagen einer Straßenbahn. Am Albertplatz betraten etwa 14 Jugendliche mit erkennbar rechter Gesinnung den gleichen Wagen. Sie beleidigten und attackierten Gomondai rassistisch.
Etwa 150 Meter nach Verlassen der Haltestelle bemerkte die Straßenbahnfahrerin, dass während der Fahrt im letzten Wagen eine Tür geöffnet worden war. Sie bremste die Bahn ab, stieg aus und fand Jorge Gomondai neben den Gleisen liegend. Er war schwer verletzt und blutete am Kopf. Sechs Tage später, am 6. April 1991, erlag der 28-Jährige seinen Verletzungen. Sein Sarg wurde nach Mosambik überführt.
Am 11. April 1991 fand in der Kreuzkirche ein Trauergottesdienst für Jorge Gomondai statt. Etwa 7.000 Menschen nahmen daran teil und zogen im Anschluss zu der Stelle zwischen Hauptstraße und Albertplatz, an der Gomondai aus der Straßenbahn gestoßen worden war.
Während des Trauerzugs versuchten Neonazis, die Veranstaltung zu stören. Sie zeigten aus einer vorbeifahrenden Bahn den Hitlergruß und riefen „Sieg-Heil“. Einige Teilnehmer des Trauerzugs, darunter Autonome, reagierten mit einer Verfolgung der Neonazis.

Jorge-Gomondai-Platz
Seit 2007 trägt der Platz zwischen Albert-Platz und Hauptstraße den Namen Gomodais (Neustadt-Geflüster vom 30. März 2007).
Portrait zu Jorge João Gomondai
Auf der Seite gegenuns.de ist ein interessantes Portrait über Jorge João Gomondai zu lesen bzw. anzuschauen. Die Seite gegenuns.de ist ein Gemeinschaftsprojekt des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e. V. und der Opferberatung „Support“ des RAA Sachsen e. V.

Gerichtsprozess, Verurteilung der Täter
Im Oktober 1993 endete der Prozess gegen die Täter mit der Verurteilung von drei Angeklagten. Der Hauptangeklagte wurde am Landgericht Dresden zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt, wegen fahrlässiger Tötung.
Die zwei Mitangeklagten erhielten eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, sowie eine Geldstrafe. Weitere Infos in der Wikipedia. Einen interessanten Hintergrund, auch zu den damaligen Ermittlungen gab es in einem Bericht des Deutschlandfunks.
Dokumentarfilm über Jorge Gomondai
Jorge – Tod eines Vertragsarbeiters, Dokumentarfilm, Buch und Regie: Monika Hielscher und Matthias Heeder, Kamera: Robert Berghoff, Schnitt: Margot Neubert, 84 Minuten, 1994.