Initiations-Schnitzeljagden
Als einzige Wärme- und Energiequelle wurden die „Gedichte der Erde an den Himmel“ (Khalil Gibran) schon im Mittelalter flächendeckend von Kaminen und Schmiedefeuern verschlungen. In Preußen setzte sich Friedrich der Große wie auch andere europäische Herrscher für eine Neupflanzung von Bäumen ein. Wald- und Weideflächen wurden voneinander getrennt, um den Bäumen eine Verschnaufpause zu gönnen und sie wenigstens fünf Ringe ausbilden zu lassen. Auch Sachsen war durch die rasante Entwicklung des Bergbaus und Hüttenwesens im 17. und 18. Jahrhundert eine Gefahrenzone für beblätterte Kameraden. Die Königlich-Sächsische Forstakademie, seit 1811 in Tharandt angesiedelt, war eine Antwort auf den rapiden Ressourcenschwund. Gründer Heinrich von Cotta hatte den Platz für seine Lehranstalt außerhalb der Stadt bewusst gewählt: „Ohne Wald und dessen Benutzung kann eine Forstlehranstalt ebenso wenig gedeihen als eine Bergwerkakademie ohne Bergwerk.“ Von der versteckten Lage im Grünen profitieren Forst-Erstsemester heute noch bei feucht-fröhlichen Initiations-Schnitzeljagden.

Ein Jahr vor der Taufe der Ahornstraße hatte Sachsen als einer der letzten Staaten die Gewerbefreiheit eingeführt. Damit wurde ein wichtiges Steinchen für die Industrialisierung ins Rollen gebracht. Übrigens: der Gattungsname Ahorn existierte bei Benennung der Straße „erst“ seit 109 Jahren. Carl von Linné, der reiselustige Naturbusche aus Schweden, führte ihn 1753 in seinem Species Plantarum auf, einem bedeutenden Nachschlagewerk über Flora und Fauna.
Möglicherweise kam Linnés Landesgenosse Ingvar Kamprad beim Schmökern genau dieses Buch seine zündende Geschäftsidee. Er entwickelte eine ähnlich intensive, wenn auch räuberische Liebe zu Bäumen, von der der Rest der Welt noch heute in Form analoger Zimmereinrichtungen profitiert. Wer auf der Ahornstraße steht, kann sich zwischen diesen beiden Polen der Leidenschaft entscheiden: zum bebäumten Alaunplatz sind es 600 Meter, zum gelb-blauen Möbelhaus knapp neun Kilometer.
138 Meter herrliches Großpflaster
Ach und übrigens die Ahornstraße, die verdankt ihren Namen einem gewissen Herrn August Hecht, Gasthausbesitzer an der Radeburger-/Ecke Hechtstraße, die den Namen ihm verdankt. Dieser Herr Hecht war so ganz nebenbei auch noch Förster und in dem damals noch Oppellvorstadt genannten Viertel recht umtriebig. Und da wohl niemand widersprach, gab er den Sträßchen eben Baumnamen.
Sonst ist auf der kurzen Gasse zwischen Dammweg und Königsbrücker Straße nicht viel los. Touristen finden hier Obdach in ein paar Ferienwohnungen. Ansonsten freuen sich die Anwohner wenn es zwischen dem Rauschen von der Königsbrücker Straße und dem Bahndamm ein paar wenige ruhige Momente gibt.
Die Ahornstraße
- Die Straße auf dem Stadtplan von dresden.de
Ich tippe ja darauf, die Straße ist nach der Gattung Acer Aspire benannt.
Mir hat man mal erzählt, dass die Häuschen in der Ahornstraße seinerzeit errichtet worden waren, um die Bauarbeiter zu beherbergen, die den Bahndamm errichtet haben (oder eher deren Vorarbeiter?). Vielleicht gab es die Straße vorher noch gar nicht (denn einen Dammweg kann es ja vor dem Damm auch noch nicht gegeben haben) und also auch keinen Namen?
hmm, man sollte nicht alles auf wikipedia glauben, aber beim thema „straßen mit baumnamen im hechtviertel“ wird folgendes wohl stimmen:
„Der Gutsbesitzer dieses Weinberges war Förster und hieß August Hecht. Sein Name blieb zunächst im Gasthof erhalten. Später gab dieser den Namen an die Hechtstraße und an das Viertel weiter. (…) Auffällig sind im Hechtviertel die oft an Bäume angelehnten Straßennamen. Sie sind ebenfalls auf den Förster Hecht zurückzuführen.“
das würde auch die eschen-, buchen-, kiefern-, tannen- und eben die ahornstraße erklären. zwar unspektakulär, aber immerhin. ;-)
@avb: ja, siehe vorletzte Absatz. ;-)
@ Jutta B.: Das ließe sich ggf. über die Dresdner Adressbücher klären, da lassen sich oftmals Bauherr oder Eigentümer und die Bewohner ermitteln, meist auch ein ungefähres Baujahr.
http://adressbuecher.sachsendigital.de/startseite/
@anton launer: content is king! ;-)
und by the way: wie wär’s, mal in dieser serie etwas zum jorge-gomondai-platz zu machen? spätestens bis zu 13. februar? denn auch wenn der straßen-/platzname recht jung ist, ließe sich da bestimmt viel erzählen. vielleicht auch in anderer form, z.b. ein interview, eine kleine reportage, umfrage, etc. (zumal sicher recht viele leute nicht (mehr) wissen, warum und dass der springbrunnenplatz überhaupt diesen namen trägt.
@avb: Der Platz steht auf jeden Fall mit auf der Liste. Mal sehen ob wir es bis Februar bis „J“ schaffen. ;-) Übrigens wird der Platz fast jedes Jahr Ende März/Anfang April wird der Platz im Neustadt-Geflüster wieder erwähnt. Siehe hier.
@anton: danke für den link. ja, da hätte ich ja mal suchen können. ;-)